Historischer Rückblick auf die Entstehung und Gründung des ersten Schullandheimes Deutschlands in Jöhstadt/Erzgebirge

Bereits vor 1914 nutzten naturinteressierte Schüler und Lehrer des damaligen Staatsrealgymnasiums Annaberg ein verlassenes Bauernhaus am Fuße des Bärensteins als "Landheim der Wandervögel".
Durch einen Brand ging das Gebäude leider verloren.
Es begann die Suche nach einer neuen Unterkunft. Daran waren Lehrer und Eltern der Schüler beteiligt, wobei man sich das Ziel gesetzt hatte ein Gebäude zu finden, in dem es möglich sein sollte, viele Schüler einer Schule gleichzeitig unterzubringen.

Am 25. Oktober 1922 wurde schließlich durch den "Bund der Eltern und Freunde des Annaberger Staatsrealgymnasiums e.V." das alte Schützenhaus bei Jöhstadt gekauft.
Durch große Aufopferungsbereitschaft der Eltern, Lehrer und ehemaligen Schüler sowie durch Spenden von Privatpersonen konnte die Inneneinrichtung gekauft und ein kleiner Umbau vollzogen werden.
Das erste Schullandheim Deutschlands, nach den Visionen und Idealen von Herrn Dr. Nicolai aus Buchholz, der als Wegbereiter bei der Schaffung von Schullandheimen mit der Verschmelzung von Schule, Erziehung, Freizeitgestaltung und Erholung gilt, war damit geschaffen.
Anfänglich beschränkte sich die Nutzung auf Wochenend- und Ferienzeiten, später wurde das Schullandheim auch ganzjährig von vielen Schulen für jeweils mehrere Wochen genutzt.
In den ersten 5 Jahren des Bestehens konnten 39.000 Übernachtungen im Heim gezählt werden.

Die erste eigene Wasserleitung erhielt das Gebäude im Jahr 1927. Ein großer Umbau erfolgte 1929, wobei die gesamte Bauweise des Gebäudes an die heimatliche, für das Erzgebirge typische Art angepasst wurde.

Während der letzten Jahre des 2.Weltkrieges wurde die Einrichtung umbenannt und hieß seinerzeit KLV-Lager Jöhstadt, Schullandheim der Anton-Günther-Oberschule Annaberg. Schulleiter mit Familie und die Schüler stammten aus Düsseldorf-Benrath. (KLV-Lager: Kinder-Land-Verschickung; Schüler wurden während der letzten Phase des Krieges als Schutzmaßnahme vor alliierten Luftangriffen aus Großstädten auf das Land verschickt.)

Nach Gründung der DDR wurde aus dem Heim die Jugendherberge "Bruno Kühn" ins Leben gerufen.
Von 1957 bis 1989 war Herr Herbert Siegert, im Erzgebirge als "Strampel" oder "Federvieh" bekannt, Leiter dieser Jugendherberge. Durch sein außergewöhnliches Organisationstalent und seinen unvergleichlichen Humor gelang es ihm, auch zu mageren DDR-Zeiten seinen Gästen einen niveauvollen Aufenthalt zu bieten.

Die heutigen baulichen Gegebenheiten entstanden größtenteils bei umfangreichen Baumaßnahmen im Jahr 1964.
Anfang der 70er Jahre gelang es, mit Hilfe von Stammgästen des Fußballvereins "Einheit Brandenburger Tor" Berlin in den bis dahin ungenutzten Dachboden des Gebäudes kleine Gästezimmer einzubauen.

1990 wurde die Jugendherberge wieder in "Schullandheim Jöhstadt" umbenannt.
Notwendige Modernisierungsmaßnahmen wie der Einbau neuer Fenster und Türen sowie die Erneuerung sämtlicher Fußböden in den oberen Etagen wurden 1993 durch die Stadt Jöhstadt als Eigentümer durchgeführt. In diesem Zusammenhang wurden auch die Küche und deren Einrichtung auf den erforderlichen vorschriftsmäßigen Zustand gebracht.
Bis 1997 wurde das Schullandheim in Trägerschaft der Stadt Jöhstadt betrieben. Ab diesem Zeitpunkt übernahm die Familie Barthel die Herberge als Pächter.
Eine umfangreiche Modernisierung der sanitären Anlagen, unter Beibehaltung des typischen Stils eines Schullandheimes, erfolgte im Jahr 2007.



  • Schullandheim vor dem Umbau 1929
    Schullandheim vor dem Umbau 1929
  • Schullandheim nach dem Umbau
    Schullandheim nach dem Umbau
  • KLV Lager
    KLV Lager
  • Federvieh
    Federvieh

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